18. Juli 2020

Hagia Sophia wird wieder zur Moschee – Mein Brief an die UNESCO

Hagia Sophia wird wieder zur Moschee – Mein Brief an die UNESCO

Liebe Bürger,

die Hagia Sophia wurde um 537 n. Chr. während der Herrschaft des byzantinischen Kaisers Justinian in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, erbaut. Einst als Kirche und Kathedrale gegründet, trug die Hagia Sophia für fast 1.000 Jahre den Titel der größten Kathedrale der Welt, bevor sie im Jahr 1453 nach der Eroberung Konstantinopels durch osmanische Truppen, in eine Moschee umgewandelt wurde.

Aufgrund ihrer einzigartigen Bauweise gilt sie als eine der kühnsten Konstruktionen aus Menschenhand und eines der bedeutendsten Bauwerke der letzten 1500 Jahre.

Im Jahr 1935 wurde die Hagia Sophia schließlich auf Initiative des ersten Präsidenten und Begründers der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, in ein Museum umgewandelt. Heute gehört die Hagia Sophia zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Obwohl es sich laut Kulturministerium um das meistbesuchte Museum der Türkei handelt und mit einem Eintrittspreis von umgerechnet rund 13 Euro bei jährlich 3,5 Millionen Besuchern, eine beträchtliche Einnahmequelle für den türkischen Staat darstellt, hat das Monument aufgrund mangelnder Unterhaltung und Pflege bereits erhebliche Schäden erlitten. Die hierdurch eingetretene Schwächung der Bausubstanz stellt inzwischen eine existenzielle Gefährdung des gesamten Bauwerks dar.

Die Entschließung Kemal Atatürks, den einstigen Sakralbau in ein Museum umzuwandeln, ist als symbolische Geste, als ein Akt des mutigen Humanismus zu verstehen. Aus seinen Worten: "Dies sollte ein Denkmal für die gesamte Zivilisation sein", wird ersichtlich, daß nach seiner Vision von einer modernen Türkei, aus der Hagia Sophia ein Ort des interreligiösen Dialogs werden sollte.

Mit der jüngsten Entscheidung des obersten Verwaltungsgerichts der Türkei, vom 10. Juli 2020, daß die Hagia Sophia künftig wieder als Moschee genutzt werden darf, tritt eine Zäsur in der bislang immer noch weitestgehend säkularen und westlichen Ausrichtung des Landes ein. Bereits in wenigen Tagen findet auf Anordnung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan am 24. Juli 2020 das erste islamische Gebet statt.

Damit tritt Erdoğan das Erbe des einstigen Staatengründers und Vaters der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, mit Füßen und etabliert so das genaue Gegenteil eines säkularen und aufgeklärten Staatswesens. Diese Kulturwende ist nicht nur eine klare Verletzung internationaler Verpflichtungen der Türkei im Rahmen des Welterbe-Übereinkommens vom 16. März 1983, sondern begründet auch das Wiedererstarken des religiösen Radikalismus im Land.

Das Ende des Säkularismus könnte schließlich zu Hass gegen religiöse und ethnische Minderheiten führen und die gesamte Türkei in einen dunklen Abwärtsstrudel hinabreißen.

Da die Hagia Sophia in ihrer geschwächten Bausubstanz mittlerweile sowohl physikalisch, als auch ganz abstrakt durch die Rückkehr einer religiös-ideologischen Vereinnahmung als Weltkulturerbe in große Gefahr geraten ist, wende ich mich nun in einem dringlichen Brief an die Generaldirektorin der UNESCO, Frau Audrey Azoulay, mit der Bitte, die Hagia Sophia umgehend auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen.

Außerdem ersuche ich den UNESCO Exekutivausschuss darum, eine dringende Generalkonferenz einzuberufen, um die gegenwärtige Situation in der Türkei grundlegend zu beurteilen und dadurch weiteren Schaden an dem geschichtsträchtigen Monument zu verhindern.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Christine Anderson, MdEP (AfD)

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